Samstag, 19. Dezember 2009

Mein Sohn hat Geburtstag

Morgen hat mein Sohn Geburtstag. Er wird 29 Jahre alt. Ich habe ihm eine Geburtstagsmail mit einem schönen Spruch geschickt. Er ist wie ich Yogalehrer und lebt jetzt in der Yoga-Vidya-Gemeinschaft im Westerwald.

Als er sieben Jahre alt war, trennte ich mich von seiner Mutter und wurde ein Yogi. Die Trennung hat er nur schwer verkraftet. Vor der Trennung war er ein fröhliches Kind. Nach der Trennung war er eher unglücklich und introvertiert. Eine Zeitlang war er von Yoga begeistert. Sehr zum Entsetzen meiner Ex-Frau folgte er seinem verrückten spirituellen Vater und nicht seiner materialistisch eingestellten Mutter. Ich verstand mich in dieser Zeit sehr gut mit ihm. Später löste er sich weitgehend von seinem Vater. Das begrüße ich. Nur so kann er wirklich sich selbst und seinen eigenen Weg finden.

Nach dem Abitur studierte mein Sohn Psychologie und machte einen Abschluß als Diplom-Psychologe. Leider hatte er nach dem Studium keine Lust mehr auf Psychologie. Er machte eine Weltreise, die er aber nach kurzer Zeit wieder abbrach. Er ist ein typischer Vertreter der Null-Bock-Jugend. Alles bringt ihm irgendwie nicht wirklich Spaß. Oder es funktioniert nicht so wie er sich das vorgestellt hat.

Einmal verliebte er sich in ein schönes Mädchen. Leider liebte sie ihn nicht. Ein anderes Mädchen verliebte sich in ihn. Aber er verliebte sich nicht in sie. Dumm gelaufen. So wird das nichts mit dem Nachwuchs. Meine Ex-Frau und meine Mutter würden gerne Oma und Uroma werden. Aber es ist schwer in der heutigen Zeit eine passende Partnerin zu finden und eine dauerhafte Beziehung aufzubauen.

Mir ist es egal, ob er eine Freundin findet oder nicht. Der Sinn des Lebens liegt in der Erleuchtung. Alles andere sind weltliche Spiele, die man spielen kann oder nicht. Gut, wenn sie einen auf dem spirituellen Weg voranbringen. Schlecht, wenn sie man sich dadurch in dem Schleier der Maya (der äußeren Scheinwelt) verliert. So sieht ein verrückter Yogi die Dinge.

Ernsthaft auf dem spirituellen Weg ist mein Sohn noch nicht. Er probiert aus. Er ist auf der Suche nach sich selbst und seinem Lebenssinn. Bevor man findet, muss man gründlich suchen. Erst aus einer konsequenten und reflektierten Suche kann sich ein tiefes Finden ergeben. Ich habe 30 Jahre meinen Weg gesucht. Dann habe ich 30 Jahre intensiv spirituell praktiziert. Und im Alter von 60 bin ich hoffentlich erleuchtet. Oder nicht. Ich glaube eher nicht. Egal. Jedenfalls bin ich auf einer tiefen Ebene zufrieden mit meinem Leben, weil mein Weg sich konsequent aus einem langen Nachdenken entwickelt hat.

Ich wünsche euch heute ein konsequentes Suchen und ein glückliches Finden. Mögt ihr alle den zu euch passenden Lebensweg finden und eines Tages in der großen Zufriedenheit ankommen. Meine Erfahrung ist, dass es ohne tiefes inneres Glück keine wirkliche Lebenszufriedenheit gibt. Ohne inneres Glück ist man nicht wirklich mit sich und seinem Leben zufrieden. Und wann man im inneren Glück lebt, dann ist man sowohl als Single als auch in einer Beziehung glücklich. Die Erleuchtung allein genügt. Ein Leben in Gott allein genügt. Daraus folgt alles weitere Glück. Wer das begreift, verläuft sich nicht in seinem Leben.

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