Samstag, 12. Dezember 2009

Einen Cheeseburger für einen Vegetarier

Nachdem wir die Tanne vom Dach entfernt hatten, untersuchten wir die Schadstellen in der Dachpappe. Die Tannenzweige hatten fünf große Löcher gerissen. Ich beschloss, fünf Platten Ondoline zu kaufen und eine ganze Dachbreite neu zu verlegen. Zum Glück hat mein Nachbar ein großes Auto. Da es jeden Moment wieder anfangen konnte zu regnen, fuhren wir sofort los.

In unserer Nähe liegt ein großer Baumarkt, bei dem man sich als Heimwerker preisgünstig mit allen Baumaterialien eindecken kann. Ein Männerparadies. Hier gibt es auch die größten und schönsten Motorsägen. Aber wir hatten ja schon zwei Motorsägen, ich eine große und mein Nachbar eine kleine. Wir gingen in die Dachabteilung. Leider war die Ondoline bis auf zwei Pappen gerade ausverkauft. In einer Woche hätte der Marktleiter eine Nachlieferung bekommen können. Das war mir eine zu lange Zeit mit Löchern im Dach.

Der Marktleiter war sehr geschäftstüchtig und empfahl uns eine halbe Autostunde entfernt in Quickborn liegende weitere Baumarktfiliale. Er telefonierte mit seinem Kollegen und stellte sicher, dass wir dort sofort die restlichen drei Ondoline-Platten bekommen könnten. Also machten wir uns auf nach Quickborn. Normalerweise führe ich immer nur kurze Gespräche mit meinem Nachbar. Jetzt war die Zeit uns einmal gründlich kennenzulernen, nachdem wir schon über zehn Jahren ohne großen Kontakt nebeneinander hergelebt haben.

Ich erzählte ihm, dass ich als Yogi lebe und nebenbei die Welt im Internet rette. Er konnte mit dem Begriff Yoga nicht viel anfangen. Der Name "Gott" sagte ihm auch nicht viel. Einen Mann dieses Namens hatte er noch nicht kennengelernt. Für eine Erleuchtung interessierte er sich auch nicht. Ihm genügte es, wenn er jeden Tag etwas zu saufen hatte. Ein Leben nach dem Tod? Diese Idee fand er ziemlich witzig. Ich erklärte, dass ich ihn nach dem Tod retten könnte, wenn er meinen Namen als Mantra denken würde. Das wollte er sich überlegen.

Spannend wurde die Diskussion erst, als ich ihm erzählte, dass Yogis normalerweise kein Fleisch essen. Ein Leben ohne Fleisch konnte er sich nicht vorstellen. Neben dem Alkohol muss das Leben doch noch einen weiteren Sinn haben. Immerhin hatte er schon gehört, dass zu viel Fleisch ungesund sein soll. Er beschloss seinen Fleischgenuss zu reduzieren. Zuerst einmal weckte die Debatte aber seinen Appetit und wir kehrten in Quickborn bei Mc Donalds ein.

Jetzt konnte mich mein Nachbar überraschen. Er zeigte mir das Drive In und bediente perfekt alle Geräte und Ansagen. Er bestellte zwei Cheeseburger für sich und einen Cheeseburger für seinen vegetarischen Freund. Vorher hatte ich ihm erklärt, dass ich ein undogmatischer Yogi bin und manchmal auch über die Stränge schlagen darf. Daraufhin war ich ihm sofort sympathisch.

Ich war begeistert von dem Drive In und fühlte mich wie in Amerika. Wir müssen bedenken, dass ich über zwanzig Jahre weitgehend ohne großen Kontakt zur Zivilisation meditierend in meiner Yogihütte gelebt hatte. Jetzt lernte ich durch den Sturm und seine Folgen die große weite Welt kennen. Wir mampften unsere Cheeseburger und unterhielten uns weiter angeregt über die Vorteile einer vegetarischen Lebensweise.

Morgen erfahren wir, wie sich Nils als Dachdecker bewährte.

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