Freitag, 11. Dezember 2009

Die Tanne wird zersägt

Mein Nachbar ist ein ganz anderer Mensch als ich. Er lebt sehr weltlich. Er ist etwa 35 Jahre alt und verbringt seine Tage mit fernsehen, am Computer spielen oder Alkohol trinken, wenn er nicht gerade arbeiten muss. Eine Freundin hat er nicht. Er ist Single wie ich. Im Moment ist er seit einem halben Jahr arbeitslos. Er lebt von Harz 4 und trifft sich oft mit seinen Freunden zum Feiern und zum Saufen. So kann man auch leben, obwohl ich eine Existenz als Yogi bevorzuge.

Wir beschlossen erst einmal den nächsten Tag abzuwarten und uns dann die Schäden genau anzusehen. Die Nacht war wegen der feuchten Bettdecke und der laut in die Eimer fallenden Regentropfen etwas ungemütlich. Aber am nächsten Tag war der Sturm vorbeigezogen, die Regentropfen tönten nicht mehr in den Wassereimern und draußen war es hell. Endlich mal ein spannender Tag in meinem langweiligen Yogialltag. Wie kaputt würde das Dach wohl sein? Würden wir die etwa fünfzehn Meter lange Tanne von meinen Dach entfernen können?

Ich zog mich an, frühstückte gemütlich und kletterte dann mit einer Leiter auf das Dach. Ein wunderschöner großer Tannenbaum mit vielen Tannenzapfen befand sich dort, nur leider zur falschen Zeit am falschen Ort. Aber das konnte ich ja ändern. Ich holte meine Motorsäge aus aus dem Haus, schaltete sie an und sägte mit großem Lärm und wachsender Begeisterung den Baumstamm auf meinem Dach in kleine Stücke.

Was braucht ein Mann mehr als eine Motorsäge, um sich richtig als Mann zu fühlen. Es fehlten nur die Frauen, die unten vor dem Haus standen und bewundernd in die Hände klatschten. Und anschließend den erschöpften Handwerker mit Kaffee und Kuchen labten. Aber dafür erzähle ich die Geschichte ja jetzt im Internet. Ich lasse mir das Lob nicht nehmen. Vielleicht schreibt ihr heute zur Abwechslung einmal begeisterte Kommentare. Oder klickt wenigstens die Aussage "cool" an.

Irgendwann am frühen Nachmittag war auch der Nachbar aufgestanden und kam mit seiner Motorsäge zu Hilfe. Jeder echte Mann hat eine Motorsäge. So muss es sein und so ist es bei uns auch. Mit leichter Häme bemerkte ich, dass die Motorsäge des Nachbarn kleiner war als meine. Egal, Motorsäge ist Motorsäge. Und zu zweit wurde der mächtige Tannenbaum schnell zu einem armseligen Stück Feuerholz. Obwohl ich mir die schöne Spitze für Weihnachten aufbewahrt habe. Auch Katastrophen kann man optimal für ein sspirituelles Leben nutzen.

Das wünsche ich euch heute auch. Morgen folgen weitere Abenteuer des kleinen Yogis und seines Nachbarn.

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